Wednesday

TXT // Slacker 4 Life

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// Keine Zeit zum chillen

D
eine Leute starten alle durch und das was euch früher mal vereint hat, zerbröselt. Du bist die Person, die immer Zeit hat und was starten will. Aber anstatt weiterhin Partys am See bis zum nächsten Morgengrauen zu feiern, oder stundenlang mit der Gruppe in Cafés sich von der Zeit überholen zu lassen, passiert nichts. Die Telefone sind tot. Alle haben auf einmal soviel zu tun. Sie bauen sich etwas auf - sei es ihre brave Traumbeziehung, ihre Erfolgskarriere im Office, ihr neues Ego und ihren Ehrgeiz. Sie sind alle immer ganz busy und rennen hektisch durch den Tag. Abends sind sie zu müde und schlafen bei einem 20:15 Spielfilm auf der Couch ein, das Rotweinglas nur zur Hälfte leer. Früher haben wir keine Grenzen gekannt und die Quatschtiraden und das duselige Philosophieren über die innersten Winkel unserer Empfindungen sind auch verblasst - keine Zeit mehr dafür. Man tauscht meistens nur schnell die aktuellen Geschehnisse aus um bei den Fakten up to date zu bleiben. Willkommen lieber Slacker: deine Freunde werden erwachsen und du nicht.
Wenn dir das bekannt vorkommt und du auch bei den Texten des neuen Marteria -Songs fett grinsend genickt hast, dann weißt du wovon ich hier schreibe. Ich gehöre auf einmal nichtmehr dazu, weil ich ein Slacker bin. Anstatt ein Jura-, Wirtschafts- oder Lehramtsstudium als Bachelor durchzuziehen, damit ich mit Mitte zwanzig direkt in die Karriere einsteigen kann, schlage ich mich jetzt als Freelancer durch. Ich arbeite soviel, wie nötig ist und suche mir meine Jobs selbst. Mir ist meine Selbstverwirklichung wichtiger, als ein sicherer 40-Stunden-Job. Meine Woche plane ich allein und jobbe nachts in einer Bar. Ich nehme mir Zeit, habe dafür aber kein Geld. Doch was fängst du mit der Zeit an, wenn dein Umfeld keine hat?



Der Urpsrung des Wortes Slacker ist umstritten - wer interessiert sich auch schon für die Verweigerer? Slacker sind "schlaff" und waren ursprünglich Leute, die sich dem Wehrdienst entzogen. Gewinnstreben und der Run auf die vorderen Ränge in der kapitalistischen Fressmaschine sind einfach nicht wichtig - weit im Vordergrund steht die Selbstverwirklichung. Und gerade durch die Hipsterbewegung in Berlin, verschmelzen diese alten Ideale mit den Vorstellungen vom neuen kreativen jungen Großstädter. Wir Slacker sind nicht dumm, wir sind meistens überqualifiziert und meinen das Ziel der Lebensreise schon von hier sehen zu könnnen. Das erspart uns die Illusion dem Tod durch Anhäufung von Kapital, Ruhm oder Macht von der Schippe springen zu können. Hier und Jetzt ist es viel wichtiger, dass sich etwas bewegt. Unsere Eltern finden das natürlich überhaupt nicht lustig und fragen uns stets besorgt, wann wir denn endlich vernünftig werden und durchstarten. Wir müssten doch schließlich auch Karriere machen, weil uns soll es doch mal besser gehen. Eine sichere Bank ist doch wichtig im Leben, also bietet sich doch endlich das Lehramtsstudium an und wenn man Glück hat, wird man noch verbeamtet... etc.

Nein, ich will das nicht! Und ja, vielleicht werde ich es bereuen oder mich später auch umentscheiden. Ganz vielleicht habe ich einfach noch nicht das ultimative Ding gefunden, dass mich dazu treibt mehr als 40 Stunden in der Woche mir den Rücken krumm zu machen oder mir den Arsch auf einem Bürostuhl irgendeiner Agentur breit zu sitzen. Jetzt und hier gerade folge ich meinem Drang meine Freiheit genießen zu können und aus dem echten Leben zu lernen. Ich bin nicht faul oder arbeitslos, sondern ich mache eben nicht blind in irgendeine Karriere. Ich investiere in mich, in meine Fähigkeiten und meine Persönlichkeit. Damit verdient man natürlich keine Moneten, aber einen Haufen Zufriedenheit und Selbstsicherheit.
Tja und da ich mehr Zeit habe als mein Umfeld, lass ich mir meistens was Neues einfallen, dem ich mich widme. Und wenn meine Leute dann nach getaner Arbeit mal wieder durchatmen können und raus dürfen, dann hab ich was ziemlich cooles am Start, weiß wo was geht und freue mich sie wieder mal auf andere Pfade zu entführen.

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